Feldsteinbau aus der Tradition heraus


Bevor die Menschen ihre Häuser, Mauern und Eckpfeiler aus Backstein errichteten, war es Gang und Gäbe, dies mit Feldsteinen zu tun. Diese Steine werden im umgangssprachlichen Gebrauch auf Grund ihrer Herkunft als Lessteine bezeichnet.

Der Feldsteinbau besitzt eine Tradition, die über mehrere Jahrhunderte reicht und ist derzeit wieder zu neuem Leben erwacht. Es gibt nur wenige Fachleute und Handwerker, die sich auf diesem Gebiet auskennen. Nicht nur handwerkliches Geschick, umfassende bau- und natursteintechnische Kenntnisse und Erfahrungen gehören zum Feldsteinbau, sondern auch ein gutes Maß an Liebe zum Naturstein sowie viel Kreativität.

Teilweise hat das Arbeiten mit Feldsteinen beispielsweise bei der Errichtung der Feldsteinpfeiler und Feldsteinmauern mit künstlerischen Ambitionen zu tun. Darüber hinaus ist der Umgang mit den Lesesteinen enorm kraft-aufwendig und benötigt viel Geduld, um die gewünschten Feldsteinmauern, Feldsteingewölbe oder Feldsteinpfeiler zu erbauen. Eine enge Beziehung besitzt der Feldsteinbau zum Fachwerk, denn durch Kombination aus Feldsteinen und Holzmaterialien entstanden einst die imposanten Bauwerke.

Pfeilerbau

Pfeiler aus Feldsteinen werden eingesetzt, um Bauwerken ihren sicheren Halt zu verleihen oder um feste Begrenzungselemente darzustellen. Aus diesem Grund sind Pfeiler vorwiegend in altertümlichen Bauwerken zu finden. Wenn die Fundamente eröffnet werden, dann zeigt sich, dass diese mit den Eckpfeilern aus Feldsteinen gestützt und geformt wurden. Darüber hinaus galten starke Mauern aus Feldsteinen als enorm stand-sicher und unverwüstlich. Feldsteinpfeiler gelten heute als ökologisch und historisch wertvolle Bauwerke und werden immer öfter wieder errichtet.

Um Feldsteinpfeiler-Varianten zu bauen, werden die Feldsteine mit unterschiedlichen anderen Steinen kombiniert. Dies sind neben Bruchsteinen Natursteine aus Granit oder gebrannte Ziegelsteine.

Einige grundlegende Arbeitstechniken

Für den Einsatz von Feldsteinen zum Bau von Häusern und Pfeilern werden zunächst diverse Lesesteine sondiert. Diese Ausgangsmaterialien werden vom Handwerker in aufwendigen groben Steinbearbeitungen entsprechend geformt, sodass ein stabiles Mauerwerk entsteht. Für diese kräftezehrenden Tätigkeiten verwendet der Handwerker zum Teil entsprechende Werkzeuge, die auf Muskelkraft basieren. Darüber hinaus stehen heute moderne technische Hilfsmittel zur Verfügung. Die manuell zu bewältigenden Handgriffe überwiegen beim Feldsteinbau, sodass für die Realisierung der Pfeiler ebenfalls das Behauen und Spalten der Steine per Hand durchgeführt wird. Um im Feldsteinbau Steine zu teilen und durch eine Spaltung die gewünschten Größen zu erzielen, setzt der Steinschläger sogenannte Keillöcher in den extrem harten Feldstein. Diese Vertiefungen müssen mindestens 5 Zentimeter tief sein. Um diese Tiefe zu gewährleisten, schlägt der Handwerker mit einem spitzen Werkzeug so lange nach, bis der Spaltkeil passt. Durch das Benutzen der als Schrot-keile bezeichneten Hilfsmittel kann der Feldstein zum Zerbersten gebracht werden. Damit ist die Tätigkeit noch nicht beendet, denn die sichtbaren Keillöcher werden ebenfalls manuell abgeschlagen.
Um Feldsteinbauwerke fertig zu stellen, setzt der Handwerker unterschiedliche Füll- und Verbindungsstoffe ein.

Füll- und Verbindungsmaterialien

In der Vergangenheit war es üblich, neben den natürlich vorkommenden Feldsteinen Füllsubstanzen einzusetzen, die nicht den Produkten industrieller Herstellung heute entsprachen. Neben Lehm und Stroh wurden verschiedene Dämmmaterialien wie Hanf eingearbeitet, um Zwischenräume zu schließen. Im modernen Feldsteinbau setzt der Handwerker ebenfalls Lehm ein, überwiegend nutzt er jedoch Mörtel und Zement. Für den Einsatz von Feldsteinen als Unterboden werden zudem Füllmaterialien wie Mineralbeton oder Ziegelschutt verwendet.